SiPAL-Workshop zu Mitbestimmung und Teilhabe in der Praxisanleitung auf dem Lernweltenkongress
Praxisanleitung soll Auszubildende zu selbständigem, reflektiertem und verantwortlichem Handeln befähigen. Dies ist vor dem Hintergrund zunehmend heterogener Lernvoraussetzungen eine komplexe Aufgabe. Hinzu kommt, dass das pädagogische Handlungsfeld der Praxisanleitung in der schulischen und hochschulischen Pflegeausbildung durch zahlreiche berufsbezogene Rollenkonflikte und Widersprüche gekennzeichnet ist, etwa im Hinblick auf hierarchische Strukturen in den Einrichtungen, die Notwendigkeit von Leistungsbewertung oder ökonomische Zwänge, unter denen Praxisanleitung stattfindet (Brühe, 2020). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Praxisanleitung als Ort gelebter Mitbestimmung, Teilhabe und diversitätssensiblem Lernen gestaltet werden kann. Oder weitergedacht: Kann betriebliche Bildung ansatzweise als Ort politischer Bildung fungieren? (Werner et al. 2026, Hänel 2024). Wie lassen sich etwa Lernziele gemeinsam aushandeln, Verantwortungsübernahme schrittweise ermöglichen und Reflexionsprozesse dialogisch gestalten? Welche Rolle spielt dabei eine diversitätssensible, machtkritische Haltung der Praxisanleitenden? Welche strukturellen Spannungsfelder begrenzen oder ermöglichen Teilhabe in der Praxisanleitung?
Anhand von Fallvignetten aus der Beobachtungs- und Interviewstudie des vom BIBB beauftragten Projekts “SiPAL” werden diese Fragen im Workshop diskutiert. Es wird dabei auch der allgemeinen Frage nachgegangen, inwieweit betriebliche Bildung auch Potentiale politischer Bildung und Demokratieförderung beinhalten kann. Die Teilnehmenden arbeiten in Kleingruppen und analysieren, wo und unter welchen Bedingungen Teilhabe im Rahmen der Praxisanleitung entstehen kann, wie Diversität in Anleitungssituationen berücksichtigt werden kann und wie sich eine professionelle Haltung entwickeln kann, die Verantwortung und Partizipation zusammendenkt. Ziel ist es, Kriterien für eine partizipative und diversitätssensible Gestaltung betrieblicher Lernprozesse zu entwickeln, die als Reflexionsrahmen für die eigene Praxis dienen können. Dabei werden auch Grenzen der Partizipation diskutiert – auch im Hinblick auf die übergeordnete Frage, welchen Beitrag betriebliche Bildung im Pflegeberuf zur Demokratisierung der Bildungslandschaft leisten können.
Zielgruppe: Akteur*innen aus Wissenschaft und Bildungspraxis der Gesundheitsberufe
Weitere Informationen: Projektdatenbankseite involas