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MAIA Berlin: Drei Jahre gelebte Fachkräfteeinwanderung – und wie der Transfer gelingt

Internationale Fachkräfte sind ein zentraler Baustein, um dem strukturellen Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen. Das Projekt „MAIA Berlin – „Mit Anpassungsqualifizierung in Arbeit“ – zeigt über drei Jahre, wie Anerkennung, Qualifizierung und betriebliche Integration so verzahnt werden können, dass nachhaltige Beschäftigung entsteht.

Von März 2023 bis Dezember 2025 wurden rund 3.600 Beratungen durchgeführt, 91 internationale Fachkräfte starteten eine Anpassungsqualifizierung, 56 schlossen diese ab und 46 konnten in Betriebe integriert werden – darunter auch Personen mit Langzeitarbeitslosigkeit. Die Anpassungsqualifizierungen dauerten zwischen drei Wochen und 18 Monaten und wurden in IHK- und HWK-Berufen umgesetzt.

Was wirkt: Integration als Prozess

Die Erfahrungen aus MAIA Berlin machen deutlich: Integration gelingt dort, wo Anerkennung, Qualifizierung und Arbeitsmarkt als durchgehender Prozess gedacht und finanziert werden – nicht als lose aneinandergereihte Einzelschritte. Zentrale Wirkfaktoren sind:

  • Kontinuierliche 1:1-Begleitung durch Case Management mit klaren Ansprechpersonen und Entscheidungspfaden.
  • Qualifizierung im und mit dem Betrieb, bei der Lernprozesse unmittelbar mit realen Arbeitsanforderungen verknüpft sind.
  • Drehscheibenfunktionen in der Beratung, die Kammern, Betriebe und Unterstützungsangebote koordinieren.
  • Finanzielle Absicherung über Vergütungsmodelle wie „Fachkraft in Anerkennung“, die Qualifizierungsverläufe stabilisieren.
  • Interkulturell geöffnete Betriebe, die Aufnahmeprozesse bewusst gestalten und internationale Fachkräfte als langfristige Investition verstehen.

Wo Systeme an Grenzen stoßen

Gleichzeitig zeigt MAIA Berlin klare strukturelle Grenzen auf. In stark formal regulierten Bereichen – etwa in Finanzberufen oder der Vermessungstechnik – bleibt der Zugang über Anpassungsqualifizierung eingeschränkt, obwohl Fachkräftebedarf besteht. Förderlücken bei Lebensunterhalt und Qualifizierungskosten verhindern die Aufnahme von Anpassungsqualifizierungen, insbesondere für Fachkräfte, die zunächst fachfremd beschäftigt sind. Unterschiedliche Bewertungslogiken in Kammern, lange Verfahren und hohe, teils über B2 hinausgehende Sprachanforderungen wirken als zusätzliche Filter.

Lessons Learned für Anerkennung und Förderung

Aus der Projektpraxis lassen sich zentrale Lessons Learned ableiten:

  • Anerkennung ist ein längerer Prozess, keine reine Bescheiderteilung – sie braucht psychosoziale Stabilisierung und verlässliche Begleitung.
  • Betriebe als primäre Lernorte erhöhen Bindung, sichern Lebensunterhalt und beschleunigen den Übergang in qualifikationsadäquate Beschäftigung.
  • Finanzielle Sicherheit ist Voraussetzung für Lernbereitschaft und Verbleib in Qualifizierungen.
  • Berufsintegrierte Sprachförderung erweist sich wirksamer als kurszentrierte Formate, insbesondere bei fachsprachlichen Anforderungen.
  • Netzwerkkoordination – zwischen Kammern, Betrieben, Beratenden und Förderung – ist kein Nebenprodukt, sondern Teil der Wertschöpfung im Anerkennungsverlauf.

Damit verbunden ist eine klare systemische Implikation: Anerkennungsprozesse müssen als integraler Bestandteil von Integration verstanden werden. Förderarchitekturen, Kammern und Betriebe benötigen verlässliche Schnittstellen, planbare Kontinuität und betriebsintegrierte Qualifizierungsmechanismen, um Integration zu beschleunigen, statt sie zu verzögern.

Transfer in „Wege zum Berufsabschluss“

Mit dem Auslaufen der IQ-Förderung Ende 2025 wird MAIA Berlin in die Berliner Beratungsstruktur „Wege zum Berufsabschluss“ überführt. Die im Projekt aufgebaute Expertise in Qualifizierungsberatung, Matching zwischen Fachkraft und Betrieb sowie Übergang in Arbeit bleibt damit erhalten und kann in einem verstetigten Rahmen weitergeführt werden. Für involas ist MAIA Berlin ein Beispiel dafür, wie aus Projektlogik systemische Lernprozesse werden – und wie Integration internationaler Fachkräfte gelingt, wenn Strukturen, Verfahren und Praxis konsequent aufeinander bezogen werden.

Das Förderprogramm IQ - Integration durch Qualifizierung zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Projekt „MAIA Berlin“ wurde im Rahmen des Förderprogramm IQ - Integration durch Qualifizierung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge administriert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit. Das Projekt „MAIA Berlin – Mit Anpassungsqualifizierung in Arbeit“ wurde zusätzlich finanziert durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung aus Landesmitteln.

Hier geht es zum Projektbericht.