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Neue Studie: Motive und Hinderungsgründe für freiwilliges Engagement im niedersächsischen Sport

Welche Motive und Hürden das freiwillige Engagement im Sport in Niedersachsen prägen und welche Ansatzpunkte Politik und Sportvereine zur Stärkung dieses besonderen Ehrenamts haben, zeigt neue Studie von involas und dem Landessportbund Niedersachsen.

Warum engagieren sich Menschen im Sport und warum bleiben andere außen vor? 
Die neue Studie „Motivlage und Hinderungsgründe für bzw. gegen ein Engagement im organisierten Sport in der niedersächsischen Bevölkerung“ wurde von involas im Auftrag des Landessportbundes Niedersachsen und mit Fördermitteln der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) durchgeführt. Sie zeigt, was Menschen für ein Ehrenamt im Sport bewegt und was sie davon abhält. Auf Basis einer Befragung von knapp 2.000 Personen sowie ergänzender Interviews liefert die Untersuchung klare Hinweise darauf, wie Sportvereine Engagierte gewinnen, halten und gezielt unterstützen können. 

Untersuchungsdesign und Datengrundlage 

Für die Studie wurde eine standardisierte Online-Befragung mit knapp 2.000 Personen aus der niedersächsischen Bevölkerung durchgeführt. Das Fragesetting orientierte sich am sechsten Deutschen Freiwilligensurvey 2024. Ergänzend wurden vier leitfadengestützte Interviews mit Vertreter*innen des Landessportbundes, der Sportjugend sowie mit Kreissportbünden aus strukturell unterschiedlichen Regionen geführt. Ziel war es, quantitative Trends und Einschätzungen aus der Praxis zusammenzuführen.  

Zentrale Ergebnisse 

Die Ergebnisse legen deutliche Unterschiede im Engagementverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen offen. Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss oder einer selbst schlechter eingeschätzten finanziellen Situation engagieren sich deutlich seltener im Sport.Auffällig sind zudem die Motivunterschiede zwischen sportlich Engagierten und Engagierten insgesamt. Während Gemeinschaft und gesellschaftlicher Beitrag weiterhin wichtig bleiben, spielen im Sport die Motive persönliche Weiterentwicklung und der Erwerb wichtiger Qualifikationen eine deutlich größere Rolle. Wie bereits frühere Untersuchungen zeigen, ist Zeitmangel weiterhin der häufigste Hinderungsgrund für potenzielle und früher Engagierte. Im Sport wächst zudem der Wunsch nach flexiblen und weniger verpflichtenden Engagementformen.  

Engagementpotenziale im Vergleich 

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Frage nach der zukünftigen Engagementbereitschaft. Lediglich 3,9 Prozent der aktuell nicht Engagierten gaben an, sich in den nächsten zwölf Monaten sicher engagieren zu wollen. Beim Deutschen Freiwilligensurvey 2019 lag dieser Wert deutlich höher. Die Differenz verdeutlicht, dass Engagementpotenziale grundsätzlich vorhanden sind, aber offenbar nicht in gleichem Maße aktiviert werden. So folgert auch Studienleitung Susanne Huth: „Die Studie zeigt einmal mehr, dass der Sport eine hohe Bindungswirkung hat und vielfältige Möglichkeiten des freiwilligen Engagements für eine große Vielfalt der Engagierten bietet. Gleichzeitig liefert die Publikation wertvolle Hinweise für die Entwicklung von Unterstützungsangeboten für Sportvereine in Niedersachsen zur Gewinnung und Bindung von Engagierten auf der strategische und auf der operativen Ebene.“ 

Handlungsimpulse für Politik und Organisationen 

Mehrere Herausforderungen für Sportvereine, die häufig rein ehrenamtlich geführt werden und durch wachsende administrative Anforderungen an ihre Grenzen geraten, werden durch die Analyse sichtbar. Die Studie benennt daher Unterstützungsbedarfe wie gezielte Mittel für Digitalisierung, Beratung und Entlastung im organisatorischen Alltag.  

Weiterhin wird unter anderem eine Vereinfachung von Antrags- und Nachweisprozessen, strukturierte Onboarding- und Offboarding-Verfahren sowie eine stärkere Anerkennungs- und Qualifizierungskultur empfohlen. Flexible und zeitlich überschaubare Engagementangebote können zudem neue Zielgruppen erreichen. 

Perspektiven für die Wissenschaft 

Die Studie zeigt, dass Engagementmotive und Hinderungsgründe je nach Bereich, Alter, Bildung, finanzieller Situation und Wohnort unterschiedlich ausfallen. Künftige Forschung sollte diese Differenzierung stärker berücksichtigen. Darüber hinaus besteht Bedarf an Untersuchungen zur Wirksamkeit von Fördermaßnahmen und zur Rolle digitaler Werkzeuge im Engagement.